#13 – Bestellung (m)eines Tesla

Ich sitze morgens am 06.12.16 schon früh am Schreibtisch, am Abend zuvor habe ich viel überlegt, abgewogen, nochmal nachgerechnet, mit meiner Frau beraten und wieder überlegt. Die Entscheidung ist gefallen, ich muss eine wichtige Mail schreiben!

Was seh ich da? Ich habe eine Mail von Mercedes im Postfach, der freundliche Verkäufer schreibt: „…sind Sie mit der Entscheidung schon weitergekommen? Kann ich noch etwas für Sie tun?...“

Puh, ich glaube nein, er kann nichts mehr tun. Aber er ist wirklich nett, nicht nur dass ich gerne einen Mercedes gekauft hätte, nein, ich hätte ihn auch gerne von ihm gekauft. Es tut mir fast ein bisschen leid als ich zurück schreibe: „…vielen Dank für Ihre freundliche und ausführliche Beratung. Ich werde mich jedoch wahrscheinlich für einen Tesla S entscheiden und einen Leasingvertrag über 48 Monate abschließen. Sobald die Entscheidung endgültig getroffen wurde melde ich mich bei Ihnen…“

Die Antwort kommt sehr schnell: „…schade das Sie sich nicht für den Mercedes entschieden haben. Solange Sie den Tesla nicht bestellt haben, und sich am Ende doch noch um entscheiden, mein Angebot für Sie steht. Ich wünsche Ihnen, für den Fall das Sie bei der Entscheidung bleiben, alles Gute und eine gute Zeit mit dem neuen Auto. Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit sowie einen guten und erfolgreichen Start ins neue Jahr…“

Tja, er nimmt es mit Fassung. Er weiß offenbar, dass er keine Argumente hat, dass die Konzernleitung ihm die Argumente vorenthält. Ich bin mir sicher, wenn Daimler nur wollte, könnten sie tolle Elektroautos bauen und auch für eine brauchbare Schnelllade-Infrastruktur sorgen – aber offenbar fehlt es am Wille! Naja, ich hoffe, dass ich in 4 oder eher 8 Jahren die Wahl zwischen Stern und Stachel habe und es bis dahin in diesem Segment nicht nur noch Tesla gibt. Irgendwie sehe ich im Tesla-Logo mittlerweile einen fiesen Stachel im Hintern der deutschen Premium-Automobilindustrie.

So, die Mail ist raus: „Hallo Herr Müller, einmal das schwarze, vorrätige Model S für 76159 EUR bitte. Legen Sie mir noch ein Typ2-Ladekabel als Dreingabe dazu? Wenn möglich würde ich das Fahrzeug gerne noch dieses Jahr übernehmen, kriegen wir das hin?“

Diesmal kommt keine Mail sondern ruckzuck ein Anruf, Herr Müller bedankt sich für die Bestellung, beglückwünscht mich und teilt mir mit, dass sich in Kürze sein Kollege Herr Mayer melden wird um die Vertragsangelegenheiten zu klären. Dann nimmt er noch meine Kreditkartendaten für eine Anzahlung von 1000 EUR auf, nur mit der Anzahlung kann das Fahrzeug reserviert werden. Wir vereinbaren, das Model S in Frankfurt abzuholen, wenn es soweit ist. Die Entfernung nach Frankfurt oder Stuttgart ist für mich fast gleich. Aber Frankfurt ist mir lieber, da auf dem Weg, sowie in und um Stuttgart ganz sicher IMMER Stau ist – auf Frankfurt trifft das zwar auch häufig, aber glücklicherweise eben nicht immer zu. Außerdem ist in Stuttgart ständig Feinstaubalarm, wer weiß ob ich mit meinem alten Diesel überhaupt nach Stuttgart fahren darf um mein Elektroauto abzuholen.

Auch das Telefonat mit Herrn Mayer geht schnell, noch am gleichen Tag unterzeichne ich den Kaufvertrag den mir Herr Mayer gemailt hat, und schicke ihm die gewünschten Unterlagen für die von Tesla vermittelte Leasinggesellschaft X-Leasing per Email zu.

Dann heißt es warten. Warten bis die Leasingzusage kommt, warten bis sich der Auslieferungsmitarbeiter von Tesla meldet. Es tut sich erstmal gut eine Woche nichts, dann meldet sich der Auslieferungsmitarbeiter telefonisch, es ist eine Sie. Frau Schmidt teilt mir mit, dass der Wagen aus Belgien unterwegs nach Frankfurt ist und wohl in wenigen Tagen eintreffen wird. Nur von der Leasinggesellschaft habe ich noch nichts gehört!?

Am 15.12.16 meldet sich Herr Mayer per Email, die Leasinggesellschaft hat den Vertrag angenommen, es kann weitergehen.

Jetzt brauch ich eine Versicherung, ich hatte schonmal bei meinem langjährigen Versicherungsagenten der Gothaer angefragt und einen Preis von 1200 EUR genannt bekommen. Das ist zwar in Anbetracht des Fahrzeugpreises ok, aber Tesla hatte mir ja einen Flyer der DGVO/Basler Versicherung mitgeschickt auf dem mit 946,05 EUR geworben wird. Da ich das komplette TFF-Forum rauf und runter gelesen habe, ist mir bekannt dass da bei DGVO/Basler irgendwas hakt und die statt den 950 EUR aus der Werbung inzwischen gerne ebenfalls 1200 EUR berechnen würden.

Ich frage trotzdem an und erhalte auch schnell ein Angebot, da heißt es dann:
„Jahresbeitrag im Jahr 2016 per Lastschrift inkl. Vers.Steuer: 946,05 EUR für das Model S inkl. Allrad“ und „Wir empfehlen Ihnen das Angebot der Basler Versicherung AG anzunehmen, weil es ein überdurchschnittliches Preis-/Leistungsverhältnis bietet.“
Etwas weiter unten im Mail, nicht versteckt, aber auch nicht gerade auffällig:
„ACHTUNG: Dieses Angebot gilt für das Jahr 2016. Die Prämie für das Jahr 2017 beträgt 1.199,- EUR.“

Aha, wir haben den 15.12.16, das Fahrzeug kann mit Glück noch dieses Jahr übernommen werden. Da nützen mir die 946,05 EUR für 2016 echt nicht mehr viel. Danke, aber nein danke! Schon gar nicht nach dem DGVO/Basler-Theater im TFF-Forum.

Im Internet hab ich noch die selbsternannte Tesla-Versicherung gefunden. Und was seh ich da, rechts unten auf der schicken Webseite: Gothaer – Wir machen das. Aha, also frag ich auch dort mal an und bekomme ein Angebot über 1140 EUR, keine 950 EUR aber immerhin ein paar EUR weniger als von meinem Gothaer-Agenten!? Ich rufe Herrn Fischer von der Gothaer an und frage mal wie das zusammengeht, wo doch die Gothaer DIE Tesla-Versicherung ist und er den direkten Draht hat. Er erklärt mir, dass die Gothaer eigentlich garkeine Lust mehr auf Tesla versichern hat und aus der Kooperation raus will. So richtig glücklich ist er mit der Situation nicht, sichert mir aber die 1140 EUR zu. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich jetzt irgendwo anders einen Vertrag bei der Gothar abschließen muss. Die Deckungskarte kommt gleich per Email, ist nur noch eine Nummer und heißt heutzutage EvBnR.

Es vergeht wieder eine Woche ohne dass was passiert, am 23.12.16 meldet sich Herr Mayer und erklärt mir, dass es einen Fehler in der Berechnung des Angebotes gegeben hätte und das Komfort-Paket leider nicht enthalten wäre (im Angebot steht neben Komfort-Paket aber ganz deutlich „inklusive“). Das sei jedoch nicht weiter schlimm, weil sich das ja fast schon durch die Umweltprämie ausgleichen würde. Hä? Wie bitte? 5200 EUR Komfortpaket minus 2000 EUR Umweltprämie ist „fast schon ausgeglichen“? Und außerdem, was geht Tesla meine Umweltprämie an, die ich nach dem Kauf dann beantrage und außerdem sehr wohl in meine Kalkulationen einbezogen habe? Nee, so gerne ich den Wagen möchte, das kann ich nicht einfach am Telefon abnicken. Deshalb bitte ich Herrn Mayer darum mal aufzulisten wie er das genau meint und mir per Email zu schicken.

Mannomann, das erklärt natürlich warum die beiden vorrätigen Model S so sensationell günstig waren, wenn man die 5200 EUR zu den Angebotspreisen dazu addiert sieht es schon anders aus:

  • das kleine schwarze 76159 EUR 81359 EUR
  • das schicke weisse 68158 EUR 73358 EUR

Im Mail bietet man mir dann 1000 EUR zusätzlichen Rabatt an und versucht die Umweltprämie (die ich beantragen muss) mit in die Rechnung einzubeziehen, damit die 5200 EUR nicht so krass aussehen. Das sehe ich nicht ein, will aber auch keine großartige Diskussion anfangen oder gar stur auf die Einhaltung des eigentlich geschloßenen Vertrages pochen. Deshalb mache ich erstmal das Angebot, dass Tesla die Anzahlung von 1000 EUR behalten kann (sollte eigentlich nach Abwicklung erstattet werden) und ich noch weitere 1000 EUR anzahle. Dann könnte, rechne ich vor, die bereits genehmigte Leasingsumme beibehalten werden. Mich würde dann das Komfortpaket „nur“ die 2000 EUR Anzahlung kosten.

Wie fast schon befürchtet trifft mein Angebot nicht ganz den Geschmack von Tesla, dafür bieten sie mir neben den 1000 EUR zusätzliche Winterreifen ohne Berechnung an, das kostenlose Typ2-Kabel soll dann entfallen. Sie würden die Winterreifen im SC gleich aufziehen und mir die Sommerreifen in den Kofferraum legen. Winterreifen brauch ich sowieso, eigentlich wollte ich mir Kompletträder beim Reifenhändler für 2000 EUR kaufen statt bei Tesla für 3000 EUR, die Reifen allein würden mich rund 1000 EUR kosten. Außerdem kann ich so gleich mit Winterreifen in Frankfurt losfahren, was auch angenehm ist.

Ich willige ein, wenn das Typ2-Kabel doch noch kostenlos mit ins Auto gelegt wird! Herr Meyer muss nochmal einen Vorgesetzten fragen, meldet sich dann aber bald mit dem ok! So kostet mich das Komfort-Paket dann 3200 EUR und wird über die Leasinggesellschaft abgerechnet.

Was für ein Theater! Nicht nur die Versicherung(en) zicken rum, auch Tesla hat sich hier etwas schwer getan. Warum musste mir eigentlich Herr Mayer das Kalkulations-Missgeschick erklären? Das falsche Angebot hatte ich doch von Herr Müller bekommen! Haben die Streichhölzer gezogen, wer jetzt den Kunden anrufen und die „frohe Botschaft“ verkünden muss?

Naja, in Anbetracht der Kein-Rabatt-Politik von Tesla hab ich doch einen ganz guten Nachlass „rausgeholt“ für ein unbenutztes Ausstellungsfahrzeug aus Belgien:

  • Showroom Discount 5200 EUR
  • Sonderrabatt 1000 EUR
  • Reifen 1000 EUR
  • Typ2-Kabel 250 EUR

Die wichtigste Frage lautet aber: Klappt die Übernahme noch dieses Jahr?

Ein Gedanke zu “#13 – Bestellung (m)eines Tesla

  1. Daniel says:

    Spannend, vor allem der letzte Teil bezgl. der Änderung der Bestellung, weil Angebot falsch. Das erinnert mich in Ausschnitten an meine Erfahrungen. Mit dem Unterschied, dass ich nach zwei Tesla anstatt den Dritten zu kaufen, zu Mercedes gehen werde. Mich hat der Tesla Service zu sehr genervt. Viel zu viel Zeit ist dabei drauf gegangen, Unzuverlässigkeit und Fehler in Summe. Das reicht dann doch…

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