#37 – Dieselpower

Eine meiner Überlegungen, die mich davon abgehalten haben einen Mercedes zu kaufen, war ja die Diesel-Skandal-Diskussion in den Medien. Damals, im Dezember 2016, betraf das noch fast ausschließlich VW. Meine Einschätzung war aber, dass das wohl so gut wie alle Autohersteller betreffen dürfte, alle deutschen sowieso und wahrscheinlich sogar fast alle weltweit. Mittlerweile hat sich herausgestellt, das das scheinbar so ist, zumindest was die deutsche Autoindustrie angeht – es verdichten sich auf jeden Fall die Hinweise darauf.

Einerseits finde ich es traurig, dass der wohl wichtigsten und auf jeden Fall weltweit bekanntesten deutschen Branche ein mutmaßlich erheblicher Imageschaden ins Haus steht an dem sie jahrelang zu knabbern haben wird. Andererseits hab ich mich inzwischen damit abgefunden und denke mir, dass „die“ es wohl nicht anders wollten. Mit „die“ meine ich die Manager, die das was „ihre“ Unternehmen jetzt erwartet, billigend in Kauf genommen haben und natürlich die Politiker. Meiner Meinung nach ist nämlich Dieselgate nicht nur ein Wirtschaftsskandal sondern in mindestens gleichem Umfang auch ein Politikskandal. Wenn ich mir anschaue wie, nach den von der Politik abgesegneten Regeln, der angebliche Kraftstoffverbrauch berechnet wird, dann muss ich einfach davon ausgehen, dass diese staatlich geförderte Augenwischerei auch bei Abgaswerten angewendet wird.

Ich glaube natürlich nicht, dass alles gut wird, wenn wir nur genügend Elektroautos auf die Straßen bekommen. Selbstverständlich gehört da weit mehr dazu, Elektroautos sind aber ein möglicher Baustein. Natürlich muss der Strom der verfahren wird, regenerativ erzeugt werden, damit das richtig Sinn macht. Drüber hinaus muss natürlich auch die Akkutechnik verbessert werden, überhaupt muss an allem was dazu gehört weiter geforscht und entwickelt werden. Das wurde Jahrzehnte verpennt, schlimmer noch, aktiv verhindert. Der Verbrennungsmotor und die etablierte Fahrzeugtechnik allgemein, wurde mittlerweile über 130 Jahre weiterentwickelt, maßgeblich auch von deutschen Unternehmen. Wäre stattdessen die Entwicklungsarbeit in das Konzept des elektrischen fahrens investiert worden, wären wir sicher sehr, sehr viel weiter bei der Akku- und Ladetechnik und allem was eben dazu gehört.

Es hatte sich aber nunmal der Verbrennungsmotor durchgesetzt. Ist ja auch ok! Nicht ok ist es aber den Verbrennungsmotor jetzt künstlich am Leben erhalten zu wollen, statt sich mit den neuen Möglichkeiten mal ernsthaft auseinander zu setzen. Ich glaube, dass die deutsche Automobilindustrie, also die Fahrzeughersteller selbst und auch die Zulieferer, hervorragende Elektroautos anbieten könnte, wenn sie nur wollte. Stattdessen werden aber immer weiter Ankündigungen und Präsentationen gemacht, großspurige Sprüche abgelassen und es wird offenbar immer noch gehofft, dass Tesla mit dem Model 3 scheitert. Dann könnten sie sich hinstellen und sagen, „wir wussten es doch“, „die Zeit ist noch nicht reif“ und „es gibt nix besserers als unsere Verbrenner“ und einfach so weiterwurschteln ohne groß was zu ändern.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die ganzen angekündigten Elektroautos von Daimler, VW, BMW, Porsche, Audi, Volvo, usw. hinfällig wären oder deren Produktion zumindest auf ganz lange Zeit verschoben würden, wenn Teslas Model 3 floppen würde. Und in diesem Sinne heißt es offenbar erstmal weiterhin:

German Automotive Industry proudly presents: Dieselpower

7 Gedanken zu “#37 – Dieselpower

  1. Udo Simanzik sagt:

    Hallo,
    Ihre Einschätzung bezüglich der Verschleppung der kapitalintensiven Forschung und Entwicklung alternativer Antriebsarten ist imho wahr und dem Interesse des Shareholder Value geschuldet. Gewinnmaximierung und dabei „kleine“ Entwicklungsschritte als große zu verkaufen beherrschen AUDI, BMW und der Daimler in meisterlicher Form. Objektiv wird nur an den dekadenten Ausstattungsmerkmalen gearbeitet und nicht an der Antriebstechnik. Der Quattro-Wahn ist dafür bezeichnend, teuer und für Otto-normal sinnlos, ob der ESP’s etc. Jedoch hungrig an Brennstoffeinsatz.

    Ich hoffe Musks Idee wird Schule machen, und zwar durchgängig und nicht nur für Zahnarztfrauen 😉

    P.s.: Toller Bloc …

    Mit freundlichen Grüßen,
    Udo

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  2. Sebastian sagt:

    Die deutsche Autoindustrie hat durch die Elektromobilität 500.000 Jobs verloren. Ja, „hat verloren“, nicht „wird verlieren“, weil diese Jobs de facto schon weg sind, auch wenn sie gerade noch besetzt sind.
    Offen ist allerdings noch, ob ein Teil davon in der Elektromobilität aufgefangen wird oder ob die Zahl am Ende siebenstellig wird, weil die Käufer reihenweise zu Franzosen, Japanern und natürlich Amerikanern laufen.
    Ioniq und eAmpera sind in Deutschland bis Ende 2018 vollständig ausverkauft, das Model 3 realistisch eher bis Ende 2019. Zoe und Leaf haben drei bis fünf Monate Lieferzeit. Bestimmt wird das mit der Elektromobilität ein Flop.

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  3. Norbert sagt:

    Ja leider werden es die kleinem Leute am Band sehr schnell Merken. Die sind die Leidtragenden wenn der Job weg ist. Nur Aufhalten wird den Fortschritt keiner . Auch wird die nächste Generation sich überlegen sich ein Auto zu kaufen , oder bei Bedarf per App Mieten ? Ich hoffe das ich meine Bestellung vom Model3 einlösen kann. Dann ByBy Diesel und Germany PKW

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  4. Alex sagt:

    Super Text, hätte ich nicht treffender schreiben können.
    Allein damit diese Lernkurve der deutschen Hersteller schneller steigt bzw. überhaupt einsetzt – und langfristig diese wichtige Industrie in D sichert – ist dem Model 3 und Tesla nur jeder Erfolg zu wünschen, den man sich vorstellen kann. Letzteres wird eintreten…ich spür’s. 😉

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  5. Bernhard Narr sagt:

    Den roten Tankdeckel hat meine alte A-klasse Diesel auch. Für mich Anlass, im Blog zu lesen und nun auch zu gratulieren! Gut gemacht…

    Zum Stichwort Dieselgate fällt mit eine Begebenheit ein, die vor Jahren passierte, die aber zeigt: der Diesel-Skandal Ist eigentlich schon viel älter und Politik hatte schon immer die Finger im Spiel:
    Hatte vor Jahrzehnten einen Golf TDI. Beim TÜV immer dieser Abgastest (Motor auf 5.700 U/min hochjubeln und dann auf die Bosch-Messgerätanzeige schauen: grün – alles OK).
    Ich habe mich dann gefragt, was hier eigentlich gemessen wird mit dem kurzen Stück Sonde, die im Auspuff steckt. Da ich keine Antwort fand, fragte ich den TÜV-Ingenieur.
    Seine Antwort sinngemäss so: In der Sonde ist ein Laser und in kurzer Entfernung ein Lichtsensor. Man misst, wieviel dunkler das Licht wird, wenn die Russteilchen bei Vollgas zwischen Laser und Sensor durchströmen.
    So kann man Feinstaub messen. NOx und ähnliches nicht. Und keiner schaut nach, ob der Auspuff irgendwo ein Loch hat und der Russ schon vor der Messstelle entweichen kann.
    Ich sagte damals: „Das ist doch reine Abzocke!“ Der Prüfingenieur prüfte, ob sonst noch jemand in der Nähe war und sagte dann: „Ist so.“

    Noch ein Gedanke zum E-Auto generell und allgemein (vielleicht lesen hier wichtige Leute mit!):
    Kraftfahrzeuge fahren selten immer, meist stehen sie nur rum und parken. Nach dem Hauptverwendungszweck müssten sie so eigentlich Stehauto heissen.
    Parken geschieht bei vielen Fahrzeugen zu Hause (Zweitwagen) oder auf Arbeit. Die alle sollten mit Sonnenenergie aufgeladen werden, wo immer es möglich ist. Liebe Politiker! Ändert die Bebauungsplanvorschriften, verzichtet auf Dachbegrünung und lasst Solarzellen auf Garagen, Carports und Betriebsparkplätzen zu!
    Wenn Stom aus fossilen Energiequellen gemacht wird, dürfte das gleich Diesel verbrennen energetisch günstiger sein. Schliesslich schaffen die besten Kraftwerke einen Wirkungsgrad von 45%, der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 25% – und davon gehen nochmal 10% bei der Durchleitung verloren. Wie gross eine Garagensolaranlage fürs Autos sein muss, müssen andere schreiben…

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  6. Christian Welsch sagt:

    @Bernhard Narr, das ist alles nicht gewollt weil eine große Lobby will das du benzin verbrennst….
    und die Schar der „Experten“ die dir vorrechnet Emobiltität sei umweldschädlicher als Verbrennerfahren ist riesig… meist werden aber nicht alle Fakten berücksichtigt…. was verbraucht so ein Verbrenner noch so an Resourcen wie Öl , Zündkerzen, Dichtungen, Steuerketten usw…. Und ein Knallerargument ist auch, wieviel Strom kostet es aus Erdöl benzin herzustellen ? allein damit kann man seeeeeehr viel Elektroauto fahren…

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