#36 – Tachostand 10.000km

Mittlerweile hat Eve immerhin 10.000km auf dem Tacho, es gab bisher keine besonderen Vorkommnisse die einen Werkstattaufenthalt oder überhaupt einen Kontakt zum Service notwendig gemacht hätten. Ein paar Fehlermeldung gab es zwar, die sind aber immer wieder verschwunden, spätestens nachdem das Auto kurz aus war. Solche Softwarefehler sind aber nicht teslaspezifisch, das kenne ich auch von vielen modernen Autos anderer Marken.

Es macht immer noch echt viel Spaß mit diesem Auto zu fahren, auch wenn die anfängliche Euphorie (zum Glück) etwas nachgelassen hat – was ja dem Kilometerstand und der Stromrechnung zugute kommt. Ein paar Kleinigkeiten kann man zwar bemängeln, insgesamt aber ist es schon erstaunlich was Tesla in der kurzen Zeit seit Gründung auf die Räder gestellt und unter dem Namen Model S abgeliefert hat.

Das Auto ist absolut alltagstauglich, die Grundvoraussetzung ist natürlich dass man da laden kann wo das Auto regelmäßig stundenlang rumsteht, also daheim und/oder bei der Arbeitsstelle. Ich hatte mir im Vorfeld die Einschränkungen, insbesondere durch den kleinen 60er Akku, wesentlich gravierender vorgestellt. Ich möchte den Fahrspass den mit dieses Elektroauto bietet nicht mehr missen und ich würde es ganz sicher nicht wieder gegen einen Verbrenner eintauschen – evtl. gegen eine E-Klasse von Mercedes wenn das „E“ endlich für Elektro steht. Aber im Moment kann ich mir für mich kein besseres Auto vorstellen.

Winter- oder Sommerreifen werden bei uns in der Gegend von O bis O gefahren, also von Oktober bis Ostern – oder umgekehrt. Ostern steht vor der Tür, die Winterreifen müssen somit runter. Dafür fahre ich nicht nach Frankfurt oder Stuttgart, ich mache den Reifenwechsel in einer örtlichen Werkstatt. Es klappt auch alles problemlos, bis die Frage nach dem Anzugsmoment für die Radmuttern aufkommt. Sowas wird in der Werkstatt normalerweise im „Computer“ nachgeguckt, allerdings lässt sich in der Werkstattdatenbank nur ein einziges Tesla-Modell finden, der Roadster. Da meiner der erste Tesla in dieser Werkstatt ist, weiß das auch niemand auswendig. Dafür war aber etwas früher am Tag ein DeLorean DMC-12 in dieser Werkstatt. Leider habe ich den knapp verpasst, sonst hätten sich das Auto aus Zurück in die Zukunft und das Auto der Zukunft in einer kleinen freien Werkstatt getroffen.

Es dauert etwas bis ich auf die Idee komme im digitalen Benutzerhandbuch nachzusehen, dort ist die Angabe aber schnell gefunden: „Anzugsmoment der Radmuttern 175 Nm“. Befürchtungen, dass das RDS evtl. Probleme machen könnte, bewahrheiten sich nicht. Nach ein Paar Minuten zeigt es den Reifendruck korrekt an und Fehlermeldungen treten auch keine auf.

Ein paar Tage später erscheint im Display die Meldung, dass wieder mal ein Update fällig ist. Ich bestätige, dass das Update über Nacht durchgeführt werden darf. In den folgenden Tagen stelle ich fest, dass es mich 4km Reichweite „gekostet“ hat. In letzter Zeit wurden direkt nach dem Laden meistens 326, manchmal sogar 327km Reichweite angezeigt, jetzt sind es maximal 323km. Noch dazu verschwinden weitere 5km Reichweite praktisch noch während dem ausparken aus der Garage.

Immer wieder werde ich von interessierten beim Ein- oder Aussteigen abgepasst und in ein Gespräch verwickelt. Es sind meistens die gleichen Fragen, wie „Sind Sie zufrieden?“, „Wie ist die Reichweite?“, „Wo tanken Sie?“ und ähnliches. Einmal wurde ich gefragt: „Könnten Sie den mal anmachen, ich würde ihn gern mal hören?“ – Hmmm?
Ich war mir im ersten Moment nicht ganz sicher ob das ein Scherz sein sollte, mein Gegenüber war sich scheinbar ebenfalls nicht ganz sicher ob meine Antwort ernst gemeint war: „Er ist an, es ist nur was zu hören, wenn er fährt. Den Motor hört man sogar nur dann richtig wenn man ordentlich beschleunigt!“

Mal mitfahren wollen viele, selbst zu fahren trauen sich aber die wenigsten. Obwohl ich es immer wieder anbiete – also zumindest dann wenn ich denjenigen gut kenne und es ihm ohne weiteres zutraue sich normal im Straßenverkehr zu bewegen: „…ich könnt ja was kaputt machen…“. Ja, klar, das geht aber mit jedem anderen Auto auch, am Fahrzeugpreis kann es auch nicht wirklich liegen, da einige denen ich eine Probefahrt angeboten habe ebenfalls recht teure Karossen ihr eigen nennen. Es muss also irgendwie an der Berührungsangst dem Elektroauto gegenüber oder gar speziell an Tesla liegen, offenbar ist es doch nicht einfach ein Auto wie jedes andere.

7 Gedanken zu “#36 – Tachostand 10.000km

  1. Norbert Graf sagt:

    Da freue ich mich ja richtig auf den kleinen Tesla . Dann gib ich den Diesel ab. Hoffe das Tesla so weitermacht . ‚Immer voraus in die Zukunft , statt rückwärts in die Vergangenheit

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  2. Joerg sagt:

    Nach dem gut geschriebenen und von mir in einem Rutsch gelesenen Blog würde mich interessieren, was für Dich der nachhaltige Erfahrungs- und Lerneffekt ist. Was würdest Du anders, evtl. aus Deiner Sicht besser machen, wenn Du die Geschichte nochmal erleben würdest?

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    1. WKMblogger sagt:

      Naja, ich erfahre und lerne ja immer noch. Elektro und Tesla ist immer noch neu und manchmal überraschend für mich. Im Moment kann ich nur sagen, dass ich es jedesmal wieder so machen würde und mich wirklich noch regelmäßig wundern muss warum Daimler da nur zusieht und vollmundige Ankündigungen macht.

      Davon abgesehen muss das Model S sich weiterhin beweisen, erstmal ein paar Jahre durchhalten und noch etliche km fahren.

      Mein erster Neuwagen war ein NISSAN Sunny, Bj. 93, war anfangs ein schönes Auto das angenehm zu fahren war. Allerdings ist der Sunny nach 1,5 Jahren und 120000km kläglich verstorben – der war einfach nicht für soviele Kilometer gedacht. Bei Mercedes ist das anders, und bei Tesla? Ich weiß es noch nicht, werde es aber herausfinden!

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  3. Matthias sagt:

    Sonntagmorgen. Lecker Frühstück. Und endlich mal Deinen Blog komplett zu Ende gelesen. Eine sehr schöne Lektüre! Danke für die äußerst kurzweilige Möglichkeit Dein elektrisches „Coming-Out“ und die darauf aufbauenden Erlebnisse mitzuerleben. Toll geschrieben, sympathisch, mit Humor und voller praktischer Fakten.

    Da immer mal wieder in den Kommentaren Wehmut über die Preislage das Model S anklingt: Ein passendes – oder passend gemachtes – Fahrprofil zusammen mit einer einfachen Lademöglichkeit am Stellplatz machen auch in niedrigeren Preislagen den unglaublichen Spaß am elektrischen Fahren mit anderen Modellen möglich. Ich hab den Umstieg vom Lexus auf die ZOE vor über drei Jahren gemacht und es nicht bereut, dass ein klein wenig Abenteuer und Pioniergeist in mein Autofahrerleben gekommen ist.

    Zugegeben, bei Tesla gibt es selbst auf der Langstrecke wenig bis keine Einschränkungen. Vor allem, weil sie die Schnelllademöglichkeiten einfach selbst realisieren und nicht auf die Politik warten. Aber man trifft auch immer mehr Menschen, die ein E-Auto anderer Marke für sich gefunden haben und es unter ihren Bedingungen genießen und sich leisten können. Das erste Fahrerlebnis war dabei oft der Auslöser. Ich kann es jedem nur wünschen.

    Deine Erlebnisse zeigen ja, dass es durchaus ein Gewinn sein kann, wenn man mal etwas neues ausprobiert.

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  4. Joerg sagt:

    Hallo Erik,
    nachdem ich das heiß und hochgekochte Model 3 bestellt habe, kam mir neulich, anlässlich des letzten Regenhochwassers und einiger „abgesoffener“ Verbrenner (klar: Luftansaugstutzen und Auspuff) bei uns die Frage: Wie reagiert so ein Tesla eigentlich auf Hochwasserdurchfahrten? Ist da irgendetwas offen, wodurch ein Kurzschluss verursacht werden könnte oder ist die Technik so gekapselt, dass man quasi ein U-Boot fährt, wobei nur der Türgummidruck und die Lüftung die Tauchtiefe begrenzt? Gibts bei der max. Wattiefe Infos dazu?

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    1. Matthias sagt:

      Hübsche Idee: Aber Vorsicht! „Fähren vermeiden“ im Navi bedeutet bestimmt etwas anderes.
      Doch auch ’ne interessante Frage. Die Motoren werden wohl IPirgendwas sein und etwas Tauchtiefe vertragen. Kabel und Anschlüsse sind vermutlich auch relativ dicht, Regenwasser ist schlecht leitend, nur Salzgehalt kann das ändern. Aber der Auftrieb des Fahrzeugs setzt sicherlich eine Grenze, weil man den Kontakt zur Straße verliert. Man staunt doch immer wieder, wie gut Autos schwimmen, wenn sie dicht sind. Elektroautos hätten da natürlich (weitere) Vorteile.

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