#15 – Die Übernahme in Ffm.

Juhu, es ist soweit, heute holen wir meinen Tesla ab. Oder eher unseren, ich befürchte schon jetzt dass meine Frau mir künftig öfter mal den Fahrersitz streitig machen wird. Eigentlich fährt sie lieber bei und misst dem Auto allgemein keine soo große Bedeutung bei wie ich. Sätze wie „es bringt mich von A nach B“ sind in Bezug auf die bisherigen Modelle schon öfter mal gefallen. Aber das Model S hat es auch ihr angetan, sie ist fast aufgeregter als ich. In der Vergangenheit habe ich frisch erworbene Autos mit meinem Vater abgeholt, sogar wenn der Wagen für meine Frau war – zu Tesla nach Frankfurt aber kommt SIE mit. Nicht ein einziges mal hab ich von ihr gehört „ist ja nur ein Auto“ oder „ach, ich seh es ja früh genug“.

Wir fahren mit unserer alten E-Klasse los und kommen pünktlich in Frankfurt an, das Navi ohne Kartenansicht teilt uns mit „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, nur von Tesla ist nichts zu sehen. Die richtige Hausnummer konnte nicht eingegeben werden, wahrscheinlich ist das Kartenmaterial zu alt, ich war all die Jahre zu geizig 250 EUR für ein lausiges und wahrscheinlich schon wieder veraltetes Kartenupdate auszugeben.

Die Hanauer Landstraße ist 4spurig und in der Mitte verlaufen Strassenbahnschienen, hier haben viele Autohersteller Niederlassungen eingerichtet und es gibt auch einige freie Autohändler. Vor ungefähr 10 Jahren habe ich in dieser Straße bei der Niederlassung von Mercedes-Benz einen Jahreswagen gekauft, einen schwarzen S211. Abgeholt hatte ich ihn mit meinem Vater, obwohl der Wagen für meine Frau bestimmt war. Mercedes hatte mir den Kombi damals zwar vollgetankt übergeben, aber wir mussten vor der Rückfahrt das Auto betanken mit dem wir nach Frankfurt gekommen waren. Das wird uns heute nicht passieren, im Tank meines W211 ist noch genug Diesel und der neue wird niemals zum tanken an eine Zapfsäule müssen.

Die Mercedes-Niederlassung ist inzwischen umgezogen und das große alte Gebäude, das weder wirklich alt oder verbraucht aussieht, steht leer.

Wir suchen die Hausnummer 551, sie liegt auf der anderen Straßenseite und müsste eigentlich gleich zu sehen sein, 523…547…? Hmm? Nichts von Tesla zu sehen, dann kommt eine Insel zwischen den Fahrbahnen auf der ein Gebäude steht, ein Restaurant, Imbiss, Cafe oder sowas. 565…567…, aha, wir sind vorbei, wir müssen ja sowieso auf die andere Seite und wenden vor einem freien Autohaus für Mercedes-Benz Jahreswagen.

Tesla liegt ganz unscheinbar genau an der Insel mit dem Imbiss in einem älteren Industriekomplex, zusammen mit einigen anderen Unternehmen. Von dieser Seite aus ist auch ein roter Streifen am sonst grau gestrichenen Gebäude und die Aufschrift „TESLA“ zu sehen. Es gibt ein kleines Schaufenster mit einem für ein Autohaus sehr kleinem Ausstellungsraum dahinter. Allerdings gibt es nur wenige Parkplätze, die alle belegt sind, etliche davon mit Model S und ein paar mit Model X. Ich quetsche den Benz in eine Ecke die nicht als Parkplatz markiert ist, es müsste aber eigentlich jeder dran vorbeikommen der einigermaßen fahren kann.

Mittlerweile sind wir ein paar Minuten später dran als vereinbart, wir haben den Showroom noch nicht richtig betreten da werden wir schon empfangen. Herr Weber führt uns gleich nebenan in die Werkstatt, sie sieht sehr sauber und aufgeräumt aus. Es riecht nicht nach Öl oder Abgasen – klar, das war zu erwarten, ist aber trotzdem ungewohnt für eine Autowerkstatt. Ein kleiner Bereich direkt an der Tür zum Showroom ist mit grauem Filzteppichboden ausgelegt, hier stehen zwei zur Übergabe vorbereitete und in schwarze Stoffhüllen verpackte Model S, mehr würden da auch nicht hinpassen.

Ich habe sofort gesehen welcher meiner ist, denn der andere ist rot. Man kann es durch die Hülle erkennen weil sie vorne etwas Netzstoff hat, wahrscheinlich damit die Klimaanlage Luft bekommt falls der Wagen unter der Hülle gekühlt oder geheizt werden soll. Herr Weber übergibt mir den Schlüßel und ich drücke dem Teslamodell zweimal aufs Dach, das Licht geht unter der Stoffhülle an – cool! Wir setzen uns zu dritt ins Auto, Herr Weber erklärt uns alles ausführlich und baut mir noch den Ladestecker für das Handy um. Tesla geht wohl (wahrscheinlich zu Recht) davon aus dass die Mehrheit mit einem iPhone ins Model S einsteigt, ich verweigere mich Apple aber immer noch und brauche daher den zusätzlich im Handschuhfach liegenden MicroUSB-Ladestecker für mein Samsung.

Auch Herr Weber wirkt nicht wie ein Autoverkäufer. Er ist zwar so businessmäßig gekleidet wie die meisten Neuwagen-Verkäufer in den Premium-Autohäusern, macht aber eher den Eindruck eines technik- und computeraffinen jungen Mannes der mit echter Begeisterung ein Produkt zeigt und vorführt mit dem er sich gerne und lange beschäftigt.

Wir gucken noch in Frunk und Trunk und in die Tasche mit dem UMC, es liegt aber kein Typ2-Kabel im Kofferaum. „Was machen wir mit den Reifen“ fragt Herr Weber „Nehmen Sie die mit oder sollen wir sie einlagern“ und deutet auf die Sommerreifen mit 19″ Slipstream-Felgen die in der Nähe gestapelt sind. Mit Felgen? 3000 EUR wenn man die so bei Tesla kauft, damit sinkt mein Preis für das nachträglich berechnete Komfortpaket auf 1200 EUR! Wenn ich jetzt noch die rund 80 EUR Zulassungskosten abziehe komme ich sogar auf nur 1120 EUR! Klar, so teure Felgen hätte ich mir nicht gekauft, aber sie sind schon schick und ich hatte bisher für die Winterreifen an meinen Autos immer etwas günstigere Alternativfelgen aus dem Reifenhandel.

Ich sage:

Die nehm ich mit!

und fange schonmal an die Rückbank umzuklappen. Herr Weber verpackt die Reifen in Plastiktüten, er würde sie selbstverständlich auch alleine einladen aber ich helfe tatkräftig dabei bevor er was sagen kann.

Ich frage noch nach dem Typ2-Kabel, das ich auch sofort bekomme. Danach unterschreibe ich den Übergabeschein und gebe Herrn Weber den KFZ-Brief und die Quittungen vom zulassen.

Er wünscht mir gute Fahrt und uns beiden viel Freude mit dem neuen Auto, dann öffnet er das Sektionaltor und winkt mir beim rausfahren zu. Mann ist das eng hier, und dann muss man auch gleich noch um die Ecke rum – und das mit dem 220cm breiten Model S. Wahh!

Ok, geschafft, ich bin draußen und rolle auf dem engen Parkplatz auf ein entgegenkommendes Model X zu. Das wird von einem Werkstattmitarbeiter gelenkt, er macht ein bisschen Platz damit ich vorbeikomme. Meine Frau steht in direkter Nähe und erlebt die praktisch lautlose Begegnung zweier Tesla-Fahrzeuge hautnah, das lauteste Geräusch macht dabei ein unter einem Reifen knackendes Steinchen.

Wir verabreden noch, dass ich voraus und den ganzen Weg bis nach Hause fahre. Dann trete ich eine spannende Heimreise an.

Es ist mir sehr sympathisch, dass Tesla auf einen fetten Auftritt mit schickem neuen Autohaus aus Glas und Stahl vorerst verzichtet (zumindest in Frankfurt, andere Standorte kenne ich nicht) und sich stattdessen eine günstige Halle mit gewissen Einschränkungen gesucht hat. Der Hof könnte mal gefegt werden, aber abgesehen davon gefällt mit diese Taktik ganz gut. Wenn das Model 3 erst richtig einschlägt und dann später auch ordentlich Geld verdient wird, kann man ja immer noch einen Glaspalast hinsetzen. Vielleicht stehen bis dahin aber auch etliche Glaspaläste der Verbrenner-Hersteller leer (so wie der von der Mercedes-Niederlassung heute schon) und können günstig übernommen werden.

2 Gedanken zu “#15 – Die Übernahme in Ffm.

  1. Mmetzger says:

    die niederlassung in der hanauer landstrasse ist eigentlich das sog. servicecenter (werkstatt)
    der „verkaufsraum“ (showroom) befindet sich in der nähe der alten oper in der „grosse bockenheimer strasse“ (fussgängerzone) – btw. demnächst wird es so etwas (showroom) auch in mannheim im engelhorn sports geben

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    1. WKMblogger says:

      So einen richtigen Tesla-Showroom habe ich mir noch nicht angesehen. Nach dem Showroom in Mannheim soll dann wohl auch ein Servicecenter kommen. Ich fand es in Frankfurt auf jeden Fall richtig gut, dass Tesla sich einen günstigen und keinen protzigen Standort gesucht hat. Zum protzen haben die ja ihre kleinen Showrooms und wenn erstmal alles läuft können sie immer noch leerstehende Glaspaläste anderer Autohersteller übernehmen oder sich selbst einen hinklotzen.

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